Andy Suess

Sherlhopp Holmes und der Weihnachtstroll

von Horacio Stamford

 

Draußen war es kalt. Es war so richtig kalt. Der Schnee fiel und den geschäftig herumeilenden Hasen froren beinahe die Ohren zu, wenn sie keine Ohrenschützer trugen.

Ich war froh, dass ich mit meinem guten Freund, dem Meisterdetektiv Sherlhopp Holmes, vor einem gemütlich flackernden Kaminfeuer sitzen konnte. Dazu tranken wir eine große Tasse heißen Kakao.

Ich hatte mir sogar ein bisschen Eierrum hineingeschüttet. Aber natürlich nicht zu viel. Erstens schmeckte der Kakao dann nach Eiern und war kein richtiger Kakao mehr und andererseits stieg zu viel Eierrum auch in den Kopf.

Sherlhopp Holmes saß mir gegenüber, knabberte an seiner Möhrenpfeife und schien nachzudenken.

Das tat er oft und besonders dann, wenn wir gerade an einem Fall arbeiteten. Doch in der Weihnachtszeit gab es wenig für uns zu tun.

Auf einmal hörte ich ein leises, knarzendes Geräusch. Und dieses wiederholte sich, fast wie das Ticken einer Uhr.

Verwundert sah ich mich um, stellte meine Ohren auf und lauschte. Da! Da war es wieder. Es klang irgendwie vertraut.

Und dann musste ich leise lachen. Das Geräusch entpuppte sich als das Schnarchen meines guten Freundes. Er schien über das ganze Nachdenken eingeschlafen zu sein.

Leise, um Sherlhopp nicht zu wecken, klappte ich das Buch zu, in dem ich gelesen hatte und beschloss, nun ebenfalls ein kleines Nickerchen zu machen.

Doch gerade hatte ich die Augen geschlossen, da riss mich ein lauter Aufschrei meines Freundes wieder aus dem herbeikommenden Schlaf empor:

»Heureka! Ich hab’s!«

»Was, was, was ist los? Hilfe!«, rief ich, griff unwillkürlich an die Lehnen meines eigenen Sessels und riss die Augen weit auf.

»Hoppsen, erinnern sie sich noch? Damals, der Fall mit dem Halsband der Gräfin von Hoppfuß.«, antwortete mein Freund, griff sich eine neue Möhrenpfeife und biss herzhaft hinein.

Ich dachte nach und dann fiel mir der Fall wieder ein. Es war vor fünf Jahren. Der Gräfin Hoppfuß war damals ein Halsband gestohlen worden und wir hatten es nicht wiederfinden können. Deswegen hatte Sherlhopp diesen Fall auch nie zu den Akten gelegt, denn er hätte sich nie verziehen, einen Fall nicht gelöst zu haben.

Wie ich in der Geschichte mit den verschwundenen Ostereiern schon erwähnt hatte, hatte sich mein Freund erst ein einziges Mal geirrt. Aufgegeben hatte er einen Fall noch nie.

»Die Lösung ist so einfach.«, sprach er weiter. »Sie ist sogar so einfach, dass wir einfach nicht draufkommen konnten, weil ich so einfach nicht denken wollte. Aber jetzt weiß ich genau, wie es abgelaufen ist.«

Er biss wieder in die Möhre und knabberte. Das machte er immer dann, wenn er seinen Worten eine gewisse Schwere und Bedeutung zukommen lassen wollte.

Und er wusste, dass ich das nicht leiden konnte, wenn er mich so auf die Folter spannte. Ich ließ ihm eine Minute Zeit, dann platzte es aus mir heraus: »Nun sagen sie es schon, Holmes, wo ist das Halsband?«

Mein guter Freund lächelte, griff nach einer neuen Möhrenpfeife und schritt dann langsam in der Stube auf und ab.

»Wenn sie nicht gleich reden, Holmes, dann gibt es einen Mord. Und ich weiß, wer der Täter ist.«, sagte ich ärgerlich, weil Sherlhopp mich schon wieder hinhielt.

»So?«, fragte er, nun ehrlich überrascht.

»Ja, ich bin der Mörder und sie das Opfer.«

»Oh.«

»Nun reden sie schon, Holmes. Was ist mit dem Halsband? Wo ist es?«

»Na schön, Hoppsen. Wenn sie ihre Neugierde nicht unter Kontrolle haben, dann will ich es ihnen erklären. Wir hatten … nanu, was ist denn da los?«

Holmes hatte sich umgedreht und war an das Fenster getreten.

»Sie wollen doch nur ablenken, weil …«, begann ich, doch mein guter Freund unterbrach mich.

»Nein, nein, Hoppsen. Auf dem Marktplatz laufen die Hasen zusammen. Kommen sie und sehen sie selbst.«, erwiderte er und ich stand aus meinem Sessel auf, tat wie mir geheißen und stellte mich neben Holmes.

»Sapperlot. Sie haben recht. Das ist ja ein regelrechter Auflauf. Was mag da passiert sein?«, fragte ich und besah mir die Szene aus dem Fenster.

»Das, mein lieber Freund, werden wir erst herausbekommen, wenn wir daran aktiv teilnehmen.«

»Wie meinen sie das, Holmes?«

»Ziehen sie sich ihren Mantel an, wir werden nachsehen.«, antwortete er und war bereits an mir vorbeigehuscht.

»Jetzt?«, fragte ich überrascht. »Aber Holmes. Es ist bitterkalt draußen und es schneit und …«

Sherlhopp fiel mir ins Wort: »Ja, das ist es. Deswegen habe ich ihnen geraten, den Mantel anzuziehen. Und beeilen sie sich etwas. Ich bin schon fertig.«

Kurze Zeit später hatten wir die Behaglichkeit unserer Wohnung verlassen und standen in der Kälte.

Holmes eilte mir voraus in Richtung Marktplatz und ich kam ihm schlotternd hinterher.

Fast alle Hasendorfer Einwohner hatten sich dort versammelt und redeten aufgeregt durcheinander.

Der Bürgermeister stand auf einem kleinen Podest und versuchte, die Lage zu beruhigen: »Ich bitte euch, liebe Leute. Redet doch nicht alle durcheinander.«

Dann erhellten sich seine Gesichtszüge. Überglücklich hoppste er von dem Podest herunter und kam direkt auf uns zu.

»Mein lieber Holmes. Es ist eine Freude, sie zu sehen.«, sagte der Bürgermeister, fasste meinen guten Freund an den Schultern und führte ihn durch die Menge zu dem Podest.

Er stieg wieder hinauf und rief der Menge zu: »Liebe Freunde. Sherlhopp Holmes ist hier. Nun wird sich bald alles aufklären.«

Die Bürger von Hasendorf jubelten.

Mein guter Freund lächelte verlegen und sagte dann: »Herr Bürgermeister. Was ist denn eigentlich passiert?«

»Sie wissen es noch gar nicht?«, fragte der Bürgermeister.

»Nein, sonst hätte ich mir die Frage erspart, da sie sinnlos gewesen wäre.«, entgegnete Holmes.

Kurz überlegte der Bürgermeister und antwortete dann: »Natürlich, mein lieber Holmes, sie haben wie immer recht. Ich werde ihnen erklären, was vorgefallen ist. Der Weihnachtsmann ist gekommen. Und er hat Kinder mit Geschenken beworfen.«

Die Hasenmenge murmelte und vereinzelt erklangen Buhrufe.

Mein guter Freund runzelte die Stirn. »Der Weihnachtsmann? Zu dieser Zeit? Wie wir alle wissen, kommt er doch erst am Heiligabend.«

»Er wurde gesehen!«, rief eine Stimme aus der Menge und viele stimmten dem Rufer zu.

»Wer hat ihn gesehen?«, wollte Holmes nun wissen.

»Die Kinder.«, antwortete der Bürgermeister. Dann winkte er und zwei Hasenpolizisten führten vier kleine Hasenkinder heran.

»Aha.«, sagte Holmes, ging in die Hocke und sah die Kinder freundlich an. »Ihr habt also den Weihnachtsmann gesehen?«

Zwei kleine Hasenmädchen schauten verlegen in den Schnee und scharrten mit ihren Füßchen darin herum. Ein Hasenjunge versuchte, sich hinter einem der Mädchen zu verstecken.

Nur einer blieb standhaft stehen und sagte: »Ja. Wir haben ihn gesehen. Draußen im Wald. Er hat mit Geschenken nach uns geworfen.«

Sherlhopp setzte eine Hand an sein Kinn, verzog keine Miene und fragte ganz ernst: »Und ihr seid sicher, dass es der Weihnachtsmann war?«

Alle vier nickten.

Dann sagte eines der Mädchen: »Er hatte eine rote Mütze auf. Mit einer Bommel. Und nur der Weihnachtsmann hat eine Mütze mit einer Bommel auf.«

»Das stimmt. Die hat nur der Weihnachtsmann.«, antwortete Holmes. »Aber warum sollte er euch mit Geschenken bewerfen? Legt er die nicht normalerweise unter den Weihnachtsbaum?«

»Vielleicht hat er zu viel Punsch getrunken?«, erwiderte jetzt das zweite Hasenmädchen. »Wenn Papa zu viel Punsch getrunken hat, dann macht er auch komische Sachen.«

Ein Hase in der ersten Reihe wurde rot, während eine Häsin neben ihm ihn tadelnd ansah. Die Umstehenden grinsten.
Holmes schmunzelte. »Ja, das kann natürlich sein, dass der Weihnachtsmann etwas viel getrunken hatte.«

»Der hat auch gar nicht Hohoho gesagt. Sondern nur gegrummelt.«, meinte nun der kleine Junge, der inzwischen hinter den Beinen des Mädchens wieder hervorgetreten war.

»Hat er nicht?«, meinte Sherlhopp und dachte kurz nach. Dann sagte er: »Ich glaube, ich werde mal im Wald nachsehen, vielleicht hat der Weihnachtsmann ja wirklich ein bisschen viel Punsch getrunken.«

Dann stand er wieder auf, sah mich an und meinte: »Hoppsen, wir gehen in den Wald.«

»Och, muss das sein?«, fragte ich. »Im Wald ist es bestimmt noch kälter.«

»Aber Hoppsen. Wollen sie wirklich die armen Kinder so zurücklassen?«, sagte Holmes und zeigte auf die kleinen Hasen, die mich mit acht kullerrunden Augen erwartungsvoll ansahen.

»Hach, Holmes. Ja, schon gut. Wir gehen in den Wald und sehen nach.«

Der kleine Junge kam auf mich zu, wickelte sich seinen Schal vom Hals und gab ihn mir.

»Hier, damit du nicht frierst.«, sagte er dann und ich nahm den Schal und wickelte ihn mir, so gut es eben ging, um den Hals. Da er mir nicht passte, konnte ich ihn mir allerdings nur umlegen.

»Vielen Dank, mein Junge.«, sagte ich.

»Wenn der Weihnachtsmann zu viel Punsch getrunken hat, dann müsst ihr ihm helfen und schnell ins Bett legen. Das macht Mama mit Papa auch immer.«, sagte das Mädchen nun.

Der Gesicht des Hasen in der ersten Reihe war nun noch röter angelaufen als vorher und die Umstehenden lachten laut. Die Häsin schaute ihn ärgerlich an.

»Liebe Kinder. Wir werden dem Weihnachtsmann schon helfen, wenn wir ihn finden. Das verspreche ich euch. Kommen sie, Hoppsen.«

Und schon stapfte mein guter Freund durch den Schnee. Ich folgte ihm, während die Menge jubelte und der Bürgermeister rief: »Ein Hoch auf Sherlhopp Holmes!«

Bald hatten wir den Dorfrand erreicht und folgten dem Weg, der uns direkt in den Wald führte. Zum Glück hatte es aufgehört zu schneien.

»Das war ganz schön gemein von ihnen, Holmes.«, tadelte ich ihn.

»Wie? Ich weiß nicht, was sie meinen.«, erwiderte Sherlhopp und sah mich bestürzt an.

»Sie wissen das ganz genau. Einfach die Kinder einsetzen, damit ich mit ihnen in den Wald gehe. Haben sie denn gar kein Gewissen?«

Holmes lachte. »Hoppsen. Sie wären so oder so mitgekommen. Aber ich dachte mir, dass sie noch mehr motiviert wären, wenn sie einen guten Grund haben würden.«

»Pah.«, sagte ich nur.

Nach einer kleinen Weile Weg konnte ich allerdings doch nicht mehr an mich halten und fragte: »Holmes, woher wissen wir denn eigentlich, wo wir hinmüssen?«

»Hoppsen. Es ist doch immer das Gleiche mit ihnen. Wie oft habe ich ihnen schon erklärt, man muss nur die Augen aufhalten?«

»Ja, mehrmals. Und immer mit ihrer komischen, überheblichen Art. Was habe ich denn nun wieder übersehen?«, erwiderte ich und war ein klein bisschen böse über die Art und Weise, wie mein guter Freund mir klarmachte, dass ich wohl etwas nicht beachtet hatte.

»Vorhin hatte es noch geschneit. Das war auch so, als wir aus dem Haus getreten sind. Aber nun schneit es nicht mehr. Was sagt ihnen das?«

»Ja, dass es nicht mehr schneit. Was sonst?«

»Hoppsen. Da es nicht mehr schneit, sind die Spuren der Kinder deutlich vor uns zu erkennen. Denen brauchen wir einfach nur folgen.«

»Aber … Spuren? Die sind doch zugeschneit. Auch, wenn es jetzt nicht mehr schneit.«

Holmes atmete tief aus und schloss sogar einmal kurz die Augen. Ich schien wieder etwas Dummes gesagt zu haben.

»Natürlich hat sich Schnee über die Spuren gelegt, aber diese Schneedecke, wenn man sie so nennen will, ist natürlich tiefer und dünner als der Schnee, der die Umgebung bedeckt. Weil er tiefer fallen musste.«
Ich sah herab und tatsächlich waren deutlich die Abdrücke von acht Kinderhasenpfoten zu erkennen, die aus dem Wald hinausführten.
Holmes hatte Recht gehabt. Und man muss hinzufügen: Natürlich hatte er Recht behalten. Wie immer.

»Schön, schön. Ich habe das übersehen.«, gab ich meinen Fehler zu.

»Es ist gut, dass sie es einsehen. Sie müssen sich einfach nur …«

Diesmal war es an mir, den großen Herrn Detektiv zu unterbrechen: »Ich habe schon verstanden. Lassen sie uns lieber weitergehen, bevor wir noch erfrieren.«

»Aber sie haben doch einen schönen Schal um. Da muss ihnen doch warm sein.«, sagte Holmes und grinste.

»Hmpf.«, machte ich nur und gab meinem guten Freund einen kleinen Schubs. »Ich folge ihnen.«

Also stapften wir weiter durch den verschneiten Wald und folgten der Spur der Kinder.

Plötzlich blieb Holmes stehen und sagte: »Ha! Da!« Ich folgte mit meinem Blick seinem ausgestreckten Zeigefinger und erblickte eine Art Päckchen im Schnee, welches man mit einer Schnur umwickelt hatte.

»Ist … ist das ein Geschenk?«, fragte ich verblüfft.

»Ja, auch wenn es anders aussieht, als Geschenke normalerweise aussehen.«, antwortete mein Freund und ging auf das Päckchen zu.

Wenn das ein Geschenk sein sollte, dann war es eines der ungewöhnlichsten, die ich je gesehen hatte.

Man hatte es mit einer Art Lumpen umwickelt und dann mit einem groben Seil zusammengebunden. Zudem war es länglich und es sah eher so aus, als wäre ein Kegel darin eingewickelt.

Holmes hob das Päckchen auf, schnupperte kurz daran, um es dann angewidert von sich zu halten.

»Uh.«, sagte er und verzog das Gesicht.

»Was ist denn?«, fragte ich.

»Hier, riechen sie selbst.«, antwortete Holmes und hielt mir das Ding vor die Nase.

Schnell zog ich mich allerdings zurück. »Nein danke. Es scheint zu stinken, so wie sie die Nase verziehen.«

»Das tut es in der Tat. Und das sagt mir natürlich eins sehr deutlich: Es ist auf keinen Fall ein Geschenk vom Weihnachtsmann.«

»Nein, der würde so etwas nicht verschenken. Aber wer treibt sich dann hier im Wald herum, tut so, als wäre er der Weihnachtsmann und wirft mit stinkenden Paketen herum?«

»Hm.«, sagte Holmes, legte das Päckchen wieder in den Schnee und kratzte sich am Kinn. »Das ist das Rätsel, was es zu lösen gilt.«

Plötzlich vernahm ich ein Geräusch.

»Holmes, hören sie das auch?«, fragte ich und stellte meine Ohren auf.

»Treten sie einen Schritt zur Seite.«, erwiderte er nur und ich folgte seiner Aufforderung.

Im gleichen Augenblick klatschte mit einem lauten »Plumps« ein Päckchen in den Schnee, welches genauso aussah, wie das, was wir bereits entdeckt hatten.

Erschrocken sah ich mich um und brüllte in den Wald hinein: »Wer schmeißt denn hier mit Geschenken um sich? Sie hätten mich um ein Barthaar erwischt!«

»Froh Weinakt!«, erklang daraufhin eine dunkle, brummige Stimme und mir gefror beinahe das Blut in meinen Adern.

»Haben … haben sie das auch gehört?«, fragte ich Holmes.

»Natürlich habe ich. Oder glauben sie, ich bin taub oder mir sind die Ohren abgefroren?«, antwortete Sherlhopp und sah mich vorwurfsvoll an.

»Das ist aber nicht der Weihnachtsmann. Das ist ein Mörder. Der wollte mich ermorden.«

»Unsinn, Hoppsen. Niemand wollte sie ermorden.«

»Aber man hat ein Paket nach mir geworfen.«

»Es ist ein Geschenk.«

»Ein schönes Geschenk ist das. Und wahrscheinlich das letzte meines Lebens, wenn es mich getroffen hätte.«

»Es hat sie ja nicht getroffen. Das haben sie im Übrigen mir und meinen geschulten Ohren zu verdanken. Sie sollten mal zum Arzt gehen. Eine Ohrenspülung bewirkt da manchmal Wunder.«

»Ach hören sie doch auf, Holmes. Mein Gehör ist ausgezeichnet. Es ist nur sehr kalt hier draußen.«

»Wie sie meinen, Hoppsen.«

»Wieso wissen sie eigentlich, dass mich hier niemand ermorden wollte?«
»Weil ich bereits weiß, wer hier im Wald ist, uns eine frohe Weihnacht wünscht und mit Geschenken um sich wirft.«

Ich machte große Augen und war verblüfft. »Woher … wieso … wie …«, stammelte ich und versuchte, eine Frage zu formulieren.

Aber mein guter Freund sah mich nur lächelnd an und erklärte: »Wir haben es hier mit einem Troll zu tun, Hoppsen.«

Ich erschrak. »Ein Troll?«, rief ich aus. »Aber es ist Winter und Trolle halten um diese Jahreszeit ihren Winterschlaf ab.«

»Dieser ganz offensichtlich nicht.«, erwiderte Holmes.

»Woher wollen sie denn wissen, dass es ein Troll ist?«

»Die Lumpen, die um die Päckchen gewickelt sind. Sie haben den typischen Trollgeruch. Das Seil, mit dem sie umwickelt sind, besteht aus Fasern des Borkenbaums, der nur in Trollhöhlen wächst. Außerdem verrät mir die Form der Geschenke auch, dass es sich bei diesen um Trollkeulen handeln muss.«

»So so, aha.«, antwortete ich nur, denn ehrlich gesagt, fiel mir nicht mehr dazu ein.

»Man hat uns, oder besser, ihnen, Hoppsen, eine froh Weinakt gewünscht. Und auch das gab mir einen Hinweis auf einen Troll. Diese etwas abgehakte Sprechweise rührt daher, dass Trolle wenig mit anderen Rassen zu tun haben und daher die Gemeinsprache gerade so sprechen können.«, fuhr Holmes in seinen Ausführungen fort.

»Und wo ist er dann? Dieser Troll? Und warum hält er keinen Winterschlaf, wie es ordentliche Trolle zu tun pflegen?«, wollte ich wissen.

»Die erste Frage kann ich ihnen beantworten.«, antwortete mein guter Freund. »Der Troll sitzt dort hinten unter dem umgestürzten Baumstamm. Sie können ihn an der roten Mütze gut erkennen. Die zweite Frage kann er ihnen nur selbst beantworten, aber dazu müssen wir ihn fragen.«

Ich kniff die Augen zusammen und tatsächlich erkannte ich eine rote Mütze mit einer weißen Bommel daran hinter einem umgestürzten Baumstamm.

»Sowas aber auch, das ist mir gar nicht aufgefallen.«, meinte ich.

»Weil sie nicht danach suchen. Sie waren viel zu beschäftigt, sich über die, zugegeben missglückte, Zustellung ihres Geschenks zu beschweren.«, erwiderte Holmes und machte sich auf den Weg zum Baumstamm.

»Hallo?«, rief er dann. »Herr Troll? Mein Name ist Sherlhopp Holmes und das ist mein guter Freund, Doktor Hoppsen. Wir wollen nichts Böses, sondern ihnen nur ein paar Fragen stellen.«

Es knackte und krachte und dann erhob sich eine riesenhafte Gestalt hinter dem Baumstamm und baute sich vor uns auf.

»Mmm. Hase. Was du wolle?«, fragte der Troll, denn nun konnte man gut erkennen, dass es sich um einen Ebensolchen handelte.

»Zunächst einmal möchte ich wissen, warum du kleine Hasenkinder erschreckst?«, fragte Holmes und blieb vor dem Troll stehen.

»Mmm. Nicht wollte. Wollte Geschenk geben.«, antwortete der Troll, fasste sich an die Nase und bohrte mit einem Finger in ihr herum.

»Ohh.«, rutschte es mir heraus.

»Jetzt haben sie sich mal nicht so, Hoppsen. Troll ist Troll.«

»Ja, ja, trotzdem.«

»Also du wolltest den Kindern ein Geschenk geben und nicht erschrecken. Verstanden. Aber warum machst du das?«, fragte Holmes.

»Hm. Mach ich, weil Weihnakte ist.«, sagte der Troll und setzte dann ein Grinsen auf. Es sollte wohl ein Lächeln darstellen, aber wenn Trolle lächeln, dann kann man das auch falsch verstehen.

»Weil meine Kinda wolle das ich Weihnaktstroll bin. Und Weihnaktstroll verteilt Geschenk. Da hab ich das gemacht.«, fuhr der Troll fort.

»Achso. Also alles für die Kinder?«, fragte ich und der Troll lächelte wieder.

»Ja, alles für Mocks und Gocks.«, antwortete er dann.

»Die Hasenkinder haben sich allerdings sehr erschrocken.«, erwiderte Holmes und da wurde der Troll traurig.

»Oh. Ich wolle keine erschrecke. Wollte nur Geschenk gebe.«

»Naja, es ist ja niemand zu Schaden gekommen. Aber vielleicht denkst du einfach beim nächsten Mal daran, ein Geschenk zu überreichen, nicht zu werfen.«, gab mein guter Freund dem Troll einen Tipp.

»Oh danke. Das gute Idee. Werde machen bei nächste Mal.«, erwiderte der Troll, riss plötzlich seinen Mund auf und gähnte herzhaft. »Jetzt ich muss nach Hause. Winterweiterschlafe.«

»Ja, dann gute Nacht. Und einen schönen Gruß an die Kinder und Frau Troll.«, sagte Holmes und hielt dem Troll die Hand hin.

Dieser ergriff und schüttelte sie. Allerdings schüttelte er meinen guten Freund gleich tüchtig mit, denn der Troll hatte ganz vergessen, wie kräftig er doch war.

Als er Holmes endlich losließ, hüpfte dieser noch ein paar Sekunden auf und ab, während der Troll nun mir die Hand hinhielt.

»Oh, Verzeihung, wenn ich ihnen nicht die Hand reiche, aber meinem Arm geht es im Moment nicht so gut.«, sagte ich schnell und trat lieber einen Schritt zurück.

Der Troll legte den Kopf schief und hielt mir immer noch die Hand entgegen. Anscheinend hatte er nichts von dem verstanden, was ich sagen wollte.

»Der Doktor Aua im Arm.«, half mir Holmes aus der Patsche.

»Ah. Aua. Dann nicht schüttel. Ich gehe.«, sagte der Troll, rückte sich seine Weihnachtsmütze gerade und stapfte davon.

»Der Fall wäre gelöst.«, sagte mein guter Freund und schüttelte seine Arme aus. »Hoppsen. Halten sie mich bitte davon ab, wenn ich wieder versuchen sollte, einem Troll die Hand zu schütteln.«

»Wird gemacht, wird gemacht.«, antwortete ich und dann gingen wir zurück nach Hasendorf, um dem Bürgermeister, den Kindern und den Bewohnern unsere Geschichte zu erzählen.

 

Ende